Stories-Exchange-Projekt
Gesammelt und aufgeschrieben von Wilfried Stephan zwischen März 2001 und Februar 2002 ABM-Mitarbeiter im Roma-Flüchtlingsprojekt der Regionalen Arbeitsstellen für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule (RAA) Berlin.
 
Aufruf
Prolog
Stories
 
"Stories-Exchange" heißt "Austausch von Geschichten". Meist abseits des etablierten Literaturbetriebs werden unter dieser Überschrift seit langem weltweit Lebensgeschichten oder bedeutende Erlebnisse von Menschen erfasst und festgehalten. Dabei spielen Krieg und Vertreibung sowie Befindlichkeit und Selbstverständnis diskriminierter Minderheiten oft eine wesentliche Rolle. Die Ergebnisse sind vielfach ein unschätzbarer Beitrag zur internationalen Geschichtsschreibung. Protagonisten der Emanzipation ethnisch benachteiligter, missachteter und unterdrückter Volksgruppen nutzen Stories-Exchange überdies in zahlreichen Projekten, um Selbstfindung und Selbstbewusstsein der Betroffenen sowie die gleichberechtigte Eingliederung in den Mainstream der Gesellschaft (Schul- und Berufsbildung, Arbeitsleben, Kulturbetrieb) zu fördern, kulturelle Eigenheiten jedoch zu bewahren.
 
Ziele des Stories-Exchange-Projekts der RAA Berlin sind:
  • Lebensgeschichten und Erlebnisse von Roma in der Heimat und im Berliner Exil zu dokumentieren, insbesondere auch die Folgen des Balkankriegs der 90er Jahre
  • Beispiele für die vielfältigen Formen der Roma-Diskriminierung festzuhalten, im heimischen Milieu wie in Berlin, auf der Straße und in den Berliner Ämtern
  • Die Folgen bloßer "Duldung" von Flüchtlingen im Gastland, Ohnmacht und Angst vor Abschiebung zu illustrieren
  • Eigenheiten und Tradition, Identität und Selbstwertgefühl der Roma-Kriegsflüchtlinge in Berlin zu stärken
  • Eigene Bemühungen beim Erlernen der deutschen Sprache, bei beruflicher Weiterbildung und Eingliederung in Deutschland zu verdeutlichen sowie mit Hilfe der Stories zu unterstützen.
Methodik
Die innere Bereitschaft von der RAA Berlin betreuter Roma-Flüchtlinge vorausgesetzt, ihre Geschichte zu erzählen, kamen diese - mit Rücksicht auf die deutschen Sprachkenntnisse unserer Klienten - auf unterschiedliche Weise zustande. Zum einen durch Befragung (Interview), teilweise mit Unterstützung durch einen Dolmetscher (serbokroatisch/deutsch). Zwei Stories schrieben die AutorInnen mit ihrem Vokabular in deutscher Sprache nieder; ich habe sie dann in hochdeutsche Form gebracht.
 
Die Erzählenden erklärten sich mit einer Veröffentlichung ihrer Story einverstanden (Internet/ CD/ Printform). Weil dies gewünscht wurde, verwenden wir ein Pseudonym an Stelle des korrekten Namens.
 
Aufruf: Meine Story, Inhalt und Ziele
Prolog: Nach Flucht und Vertreibung aus dem Balkan: Roma-Exil in Berlin
 
Die Stories
Story 1 - Osman erzählt: "Ich hab mich doch hier nicht ausgeruht!" (Mai 2001)
Story 2 - Alexander erzählt: "Mafia-Shock im ' Weißen Haus'" (Juni 2001)
Story 3 - Hamdija erzählt "Voll anerkannt nur als Soldat?" (Juni 2001)
Story 4 - Šeno erzählt: "Freundlicher Diskurs im Dunkeln" (August 2001)
Story 5 - Ahmet erzählt: "Wer bezahlt daheim den Arzt?" (August 2001)
Story 6 - Ado erzählt: "Die lange Schulzeit und der dumme Neid" (November 2001)
Story 7 - Dejan erzählt: "Aus der Opferrolle frei gekämpft" (August 2001)
Story 8 - Aneli erzählt: "Warum sind wir nun alle Feinde?" (September 2001)