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Kindertagesstätten sind Lernorte der Demokratie für Kinder, Eltern, Erzieherinnen und Externe, die bis in den Stadtteil hinein wirken. Wir gehen davon aus, dass die Kindertagesstätte ein Mikrokosmos ist, in dem sich die Verhältnisse im Gemeinwesen widerspiegeln. Eine Leitfrage im Projekt lautet: Welche Erfahrungen und Lebensumstände brauchen Kinder, um zu BürgerInnen heranzuwachsen, die das demokratische Zusammenleben in dieser Gesellschaft als besonders wertvoll schätzen und es für sich und andere nutzen können?
Demokratie im Kindergarten was bedeutet das im täglichen Zusammenleben?
Eine Kita, in der Kinder Demokratie (er)leben, ist ein Ort, an dem Mädchen und Jungen erfahren: „Ich gehöre dazu. Ich bestimme mit. Meine Gefühle und meine Meinung sind wichtig. Ich werde beachtet und geachtet. Auf mich kommt es an. Ich habe Einfluss auf das, was um mich herum passiert. Ich werde nicht beschämt. Ich werde geschützt. Ich habe eigene Rechte.“
Eine demokratische Kita schafft Kindern einen Erfahrungsraum, in dem sie ein Gefühl für sich selbst entwickeln und für sich herausfinden können: Was will ich und was brauche ich? Hier unterstützen die Erwachsenen die Kinder auch darin, ihre eigenen Ansprüche, Vorstellungen und Absichten mit denen anderer Menschen in Aushandlungsprozessen in Einklang zu bringen.
Entwicklung einer pädagogischen Praxis, die von der Lebenswelt des Kindes ausgeht und die Kinder an der Gestaltung des alltäglichen Zusammenlebens beteiligen
Für die Arbeit der Erzieherinnen bedeutet dies:
• Sie orientieren den Kita-Alltag an den Bedürfnissen und Interessen der Kinder und knüpfen an ihren Erlebnissen, Erfahrungen und Fragen an.
• Sie erkennen die Kinder als Personen mit eigenen Bedürfnissen, Erwartungen und Rechten an.
• Sie zeigen den einzelnen Mädchen und Jungen Interesse, und sie wollen wissen, was sie / ihn beschäftigt. Dazu sehen und hören sie genau hin und nehmen wahr, was das Kind gerade tut, und was es mitteilt.
• Sie geben dem Forscherdrang der Kinder nach und fördern eine fragend-neugierige Haltung. Denn sie wissen: Bildung ist Selbstbildung und jedes Kind muss die Welt neu erfinden.
Im Projekt Demokratie leben geht es darum, dass die Erzieherinnen ihre eigene pädagogische Praxis hinterfragen:
• Inwieweit trägt meine pädagogische Praxis dazu bei, dass Kinder Selbstvertrauen aufbauen?
• In welcher Weise sorge ich dafür, dass die Kinder lernen, sich selbst und andere zu achten?
• Was tue ich dafür, dass die Kinder fair miteinander umgehen?
• Wie lernen sie, ihre Interessen und Bedürfnissen auszuhandeln?
• Beteilige ich die Kinder an den vielfältigen Entscheidungen im Alltag?
• Welche Anregungen gebe ich ihnen, um sie in ihren Selbstbildungsprozessen zu fördern?
Die Reflexionen und daraus entstehenden Veränderungsprozesse werden vom Projektteam unterstützt und begleitet.
Eine weitere Aufgabe des Projektes ist die Vernetzung von regionalen Kontakten und Kooperationen mit Personen und Institutionen.
Projektbeteiligte
Wir arbeiten an drei Praxisorten in Eberswalde. Das sind Kindertagesstätten, von denen alle Erzieherinnen am Projekt beteiligt sind. Außerdem kooperieren wir im Rahmen eines Hortprojektes mit Grundschullehrerinnen.
An unseren Diskussionsprozessen aktiv beteiligt sind auch die Vertreterinnen des Amtes für Kindertagesstätten und Schulen Eberswalde, die Fachberaterin für Kitas des Landkreises Barnim und der pädagogische Referent der Evangelischen Gemeinde Finow.
Unsere Arbeitsformen
• regelmäßige Teamsitzungen und teambezogene zweitägige Workshops
Hier ist der Ort, an dem die Erzieherinnen im Dialog miteinander ihre pädagogischen Praxis reflektieren, ihre Erfahrungen und Erkenntnisse austauschen und ihre Einstellungen und Haltungen hinterfragen. Themen sind z.B. das Kindbild, der Umgang mit Gefühlen von Kindern. Darüber hinaus setzen sie sich mit Fragen der Bildung in der Kita auseinander: Welche Fähigkeiten und Kompetenzen braucht ein Kind heute und in Zukunft? Was müssen wir leisten, um Kinder in veränderten und sich ständig verändernden gesellschaftlichen Bedingungen angemessen zu fördern?
• kunstpädagogische Workshops
Diese werden von zwei Künstlerinnen unseres Kooperationspartners uNIDO durchgeführt. In teamübergreifenden Gruppen erfahren die Erzieherinnen sich über das Mittel des künstlerischen Ausdrucks im Zusammenwirken mit anderen selbst neu. Indem sie ihre kreativen Potentiale entfalten und ausdrücken, lernen sie, festgefahrene Handlungsmuster loszulassen und neue Arbeitsformen zu erproben.
• Kleinprojekte
Die Themen, mit denen die Erzieherinnen den Wunsch nach Veränderungen verknüpften, wurden in Projekte in den Kindergruppen umgesetzt. In intensiver Zusammenarbeit mit den Praxisbegleiterinnen entwickelten die Erzieherinnen während ihrer täglichen Arbeit neue pädagogische Formen und Methoden. Die konkreten Erfahrungen in den Projekten wurden dann im nächsten Schritt in Teambesprechungen ausgetauscht und auf der Metaebene reflektiert und gesichert.
• Entwicklungswerkstätten
Diese Arbeitsform hat die Kleinprojekte abgelöst. In teamübergreifenden, fortlaufenden Werkstätten im einmonatigen Turnus entwickeln und konzipieren die Erzieherinnen ihre Arbeit nach dem Situationsansatz. Zwischen den Arbeitstreffen gehen die Erzieherinnen einer selbstgewählten Forschungsaufgabe nach, deren Ergebnisse in die weitere Arbeit einfließen. Es gibt drei Entwicklungswerkstätten zu folgenden Themen:
I Projektarbeit im Situationsansatz
II Raum- und Materialgestaltung
III Situationsansatz in der Krippe
Arbeitsweise und Philosophie des Projektes
In einem zirkulären Prozess von Handeln und Reflexion, von Erfahrung und Erkenntnis wird Schritt für Schritt die pädagogische Praxis verändert. Das Projektteam gibt zwar eine Orientierung und ist für die Struktur verantwortlich. Jede einzelne Erzieherin hat jedoch einen Freiraum der individuellen Gestaltung, in dem sie selbst entscheidet, in welcher Weise und Intensität sie sich einbringt.
Auch wenn wir mit dem Projekt neue Impulse setzen, knüpfen wir am Wissen der Erzieherinnen, an ihren Erfahrungen und an ihren Standpunkten an. So haben wir kein vorgefertigtes Projektprogramm. Wir bauen gemeinsam den Weg beim Gehen - nur die konzeptionelle Richtung steht fest: In Situationsanalysen tragen wir unsere verschiedenen Informationen und Sichtweisen in zusammen. Gemeinsam entscheiden wir dann, was wir verändern wollen, formulieren also Ziele, die wir in neue Handlungskonzepte umsetzen. Diese erproben wir anschließend in unserer Arbeit. Und zwischendurch ist es immer wieder notwendig, innezuhalten und darüber nachzudenken, was uns unsere Anstrengungen gebracht haben, und an welchen Stellen wir weitermachen wollen.
Wichtig ist dabei, dass wir alle uns immer wieder selbst in Demokratie üben, dass wir dafür sorgen, mit allen Beteiligten in einen gleichberechtigten Dialog zu gehen, dass wir uns als Lehrende und Lernende zugleich begreifen auch gegenüber den Kindern.
Denn Demokratie ist ein lebenslanges Projekt, das nie vollendet sein wird.
Seit Oktober 2003 wird das Projekt von Michael Priebe wissenschaftlich evaluiert.
Kooperationspartner:
Kita “Pusteblume”
Freie Montessorischule Barnim e.V.
uNIDO e.V.
Bettina Rübesame, psychologische Projektberaterin
Institut für Partizipation und Bildung, Kiel
„Przyjazne Przedszkole“. Poznan
„Szansa“, Warschau
Träger des Projektes
ISTA in Kooperation mit der RAA (Regionale Arbeitsstelle für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule) Berlin.
Institut für den Situationsansatz
Königin-Luise-Str.24-26
14195 Berlin
Dr. Christa Preissing (Projektleitung)
Tel.: (030) 8385-5657
Fax: (030) 8385-2130
Preiss2@zedat.fu-berlin.de
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RAA Berlin
Chausseestr. 29
10115 Berlin
Tel.: (030) 240 45-550
Sascha Wenzel (Projektleitung)
SaschaWenzelRAA@aol.com
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Das Projekt Demokratie leben in Kindergarten und Schule begann im Dezember 2001 mit einer Laufzeit von drei Jahren. Wir arbeiten zurzeit an der Beantragung eines Folgeprojektes.
Gefördert wird das Projekt von der niederländischen Bernhard van Leer Foundation und von der Lindenstiftung für vorschulische Erziehung.
Adresse:
Projektbüro Demokratie leben
Havellandstr. 15 • 16227 Eberswalde
Tel.: (03334) 38 44 70 • Fax: (03334) 38 44 71
Demokratieleben@gmx.de
Mitarbeiterinnen:
Evelyne Höhme-Serke (Projektkoordination)
Sabine Beyersdorff (Praxisbegleitung)
Ellen Behring (Praxisbegleitung)
Dr. Kerstin Fügener (Projektassistenz)
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