Qualifizierung im Berufsfeld interkulturelle Schulmediation  

Immer wieder berichten Lehrerinnen und Lehrer davon, wie schwierig es ist, Roma- und Sintikinder zu unterrichten, insbesondere dann, wenn diese in sozial benachteiligten Familien leben oder die Eltern als Flüchtlinge ohne Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis auf den Bezug von reduzierten Sozialleistungen angewiesen sind. Roma und Sinti selbst erleben die Schule als einen Ort, an dem ihre alltagsbestimmenden kulturellen Werte und ihre Geschichte mit dem Erleben von Verfolgung, Flucht, Migration und Diskriminierung keine angemessene Resonanz finden.

In der Folge kann es zu erheblichen Kommunikationsstörungen und Rückzugsverhalten kommen, die sich in Ressentiments und Schuldzuweisungen auf der einen, in Schulabbruch und Schulverweigerung auf der anderen Seite manifestieren.

Eine Antwort geben Modelle, in denen Roma und Sinti als Mediatoren zwischen Lehrerinnen und Lehrern, Eltern, Schülerinnen und Schülern vermitteln. Dank ihrer interkulturellen Kompetenz sind sie in der Lage, die entscheidenden Brücken zu schlagen. In ihr beratendes Handeln fließen eigene authentische Lebenserfahrungen wie auch Wissen über familiäre, schulische und berufsvorbereitende Bildungskontexte ein.

Die RAA verfügt über langjährige Erfahrung in der Beratung und Betreuung von Roma und Sinti in Wohnheimen, Schulen und Freizeiteinrichtungen. Auf dieser Grundlage wurde in Zusammenarbeit mit dem Bildungsträger die Wille gGmbH die Qualifizierung im neuen Berufsfeld interkulturelle Mediation in Schule und Familie konzipiert und realisiert.



Roma und Sinti als Schulmediatoren
• eröffnen den kulturellen und sprachlichen Dialog zwischen Schule und Familie
• begleiten die Kinder auf dem Schulweg, im Unterricht und bei Ausflügen
• motivieren Eltern und Kinder zum Engagement in der Schule
• nehmen an Schulkonferenzen und Elternabenden teil
• vermitteln zwischen Kindern, Eltern und Lehrern

Persönliche Voraussetzungen
Als Schulmediatoren verfügen Roma und Sinti neben guten Kenntnissen der deutschen Sprache und des Romanes über interkulturelle Kompetenz - die Fähigkeit, in verschiedenen Kulturen zur beiderseitigen Zufriedenheit zu kommunizieren und wirkungsvoll zu agieren.

Inhaltliche Schwerpunkte der Qualifizierung
• Grundwissen über Strukturen und rechtliche Rahmenbedingungen des Schulwesens
• Grundwissen über Schul- und Berufsbildungsangebote
• Grundwissen über Spracherwerb und Alphabetisierung
• Moderationstechniken, Mediation und Konflikttraining
• PC-Anwenderkenntnisse

Im März 2004 wurden auf der Grundlage der theoretischen Qualifizierung erste Praktika an folgenden Schulen durchgeführt: Papageno-Grundschule, Humboldthain-Grund-schule und Wedding-Grundschule. Die Anleitung erfolgte durch erfahrene Lehrer und Sozialarbeiter. Die praktischen Erfahrungen dienten zur Vorbereitung eines Elternabends, in dessen Verlauf die Schulmediatoren sich und ihre Arbeit einem interessierten Kreis vorstellen konnten.

Im Oktober 2004 richtet die RAA eine Fachkonferenz mit internationaler Beteiligung zum Thema Roma und Sinti als Mediatorinnen und Mediatoren in Schule, Beruf und sozialer Arbeit aus. Hier werden erste Erfahrungen und Ergebnisse präsentiert und den Ansätzen aus anderen Ländern und Regionen gegenübergestellt.

Besuchen Sie auch unsere Tagungswebsite: www.roma-und-sinti-mediatoren.de