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Mehr Rezepte, Geschichten, Bilder und Anregungen enthält die Broschüre Feste der Weltreligionen, Interkulturelle Beiträge Nr. 6
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Roshdestwo
Weihnachten ein Fest heidnischen Ursprungs; die Nächte hießen »ruge nahten« = rauhe Nächte, im Mittelhochdeutschen: »wihen nahten« = zu den geweihten Nächten ist als das christliche Fest bekannt. Alle Christen feiern zu Weihnachten die Geburt Jesu in Nazareth, in der Nacht des 24. Dezember oder in den othodoxen Kirchen zwei Wochen später. Sie glauben, daß Gott ihnen dieses Kind gesandt hat, um ihnen den Weg zum Frieden, zur Liebe und zur Erlösung von allem Bösen zu zeigen. Einst generell am 6. Januar gefeiert (unbekannt ist das genaue Geburtsdatum von Jesus), wurde es im 4. Jahrhundert in Mitteleuropa auf den 25. Dezember verlegt (authentisch belegt für Rom im Jahr 354).
Das Fest beginnt für viele mit einem Gottesdienst am späten Nachmittag, am Abend oder in der Nacht des 24. Dezember. »Heiliger Abend« oder auch »Heilige Nacht« genannt, ist es ein Fest der Familie, insbesondere ein Fest für die Kinder. Selbst viele nichtreligiöse Menschen feiern Weihnachten mit ihren Kindern. Sie erzählen die Geschichte vom kleinen Jesus, der in einem Stall geboren wurde, den Hirten und Könige angebetet haben und der später vor dem eifersüchtigen König Herodes fliehen mußte. Ähnlich dem Adventsbrauch werden Kerzen an einer festlich geschmückten Tanne oder Fichte angezündet, und in der Familie beschenkt man sich gegenseitig. Weihnachten gilt auch als ein Fest des Friedens, an dem man sich »fröhliche Weihnachten« und ein »frohes Fest« wünscht.
Neben Christliche Feste, wie die uns bekannten Weihnachten oder Ostern, werden in vielen Ländern gefeiert. Allerdings sind sie modifiziert durch die konfessionellen und kulturellen Unterschiede, die aus der historischen Entwicklung des Christentums zu erklären sind. Katholische, protestantische wie orthodoxe Rituale haben zwar die gleiche Quelle, ihre Bräuche jedoch unterscheiden sich.
Weihnachten in Griechenland (Christoughena)
Nach griechischer Sitte liegt vor dem Weihnachtsfest eine 20tägige Fastenzeit. Regional unterschiedlich ziehen am 23. oder 24. Dezember Kinder als Kalanda-Sänger von Haus zu Haus. Wurde früher dieses Fest durch ein geschmücktes Boot sichtbar gefeiert (das Boot als Symbol für das am Meer lebende Volk), sind seit einigen Jahren auch die hierzulande bekannten geschmückten Weihnachtsbäume bekannt. Die Geburt Christi wird vielerorts am 25. Dezember gefeiert. Orthodoxe Christen feiern Weihnachten nach dem Julianischen Kalender am 6./7. Januar.
Eine Geschichte 
Das Weihnachtsmahl der Heiligen Familie
Miguel Torga
Mit Quersack und Wanderstab strebte der alte Garrinchas seinem Heimatort entgegen. Die Not hatte ihn weit herumgetrieben. Betteln ist eine traurige Beschäftigung und in Lourosa allermeist! Keiner gibt einem etwas. Habt Geduld, Gott nimmt sich Euer an, heute geht es nicht und der Unglückswurm, der soll das Wasser aus den Bächen trinken und sich an den Steinen laben! Was blieb einem da weiter übrig, als Lourosa den Rücken zu kehren und anderswo die Hand nach einer milden Gabe auszustrecken, bei Fremden, die wenigstens Scham dabei empfänden, einem Mann mitten im Vaterunser eine Brotrinde zu verweigern. Ja, er betete, wenn er an irgendeine Tür klopfte. So etwas hatten die Leute gern ... Ob er Vertrauen in das Gebet setzte, das war eine andere Frage. Sind es doch die guten Taten, die uns erlösen. Litaneien öffnen einem nicht das Tor zum Himmel, das sollten sie sich aus dem Kopf schlagen. So einfach ist das nicht! Doch schließlich ... mußte er weit weg laufen, um zu überleben. Und er kam gerade von einer dieser Wallfahrten wohl überflüssig, wenn es um die Welt anders bestellt wäre. Obwohl er zehn Reis in der Tasche hatte und sein Brotsack voll war, konnten ihn seine Beine nur noch mühsam tragen. Todmüde! Er hätte wirklich in Loivos bleiben können. Dort hätte er übernachtet und sich am nächsten Tag früh auf den Weg gemacht. Aber nein! Er hatte die fixe Idee, das Weihnachtsmahl an der heimatlichen Krippe zu halten ... In Wahrheit jedoch erwartete ihn weder ein Heim noch eine Familie. Wenn ihn Wärme umfangen würde, so wäre es die des Gemeindeofens, der die Armen stets willkommen hieß.
Auf jeden Fall würde er die Heilige Nacht unter heimischen Dächern verbringen, schläfrig neben der Zistrose- und Ginsterglut hocken und den Duft des frischgebackenen Brotes einsaugen ... Wenigstens diese Vergünstigung gewährte Lourosa den Verlassenen. Ihnen den Bauch zu füllen, dazu reichte es nicht. Doch in jenem gemeinschaftlichen Heiligtum des Hungers dem Körper ein Obdach zu geben und den Schlaf zu befriedigen, das vermochte man. Das Problem war nur, erst einmal dorthin zu gelangen. Das verdammte Gebirge wollte überhaupt kein Ende nehmen, er war erschöpft. Fünfundsiebzig Jahre, man sollte es nicht glauben, sind eine schwere Bürde. Obendrein hatte er sich unterwegs, in Feitais, verspätet. Er war im Dörfchen herumgegangen, und er hatte Glück gehabt, die Sache ließ sich gut an, und er vergaß dabei die Zeit. Als er sich dessen bewußt wurde, war es vier Uhr vorbei. Und da bald die Dunkelheit hereinbrechen würde, blieb ihm nichts weiter übrig, als nun in großer Eile, mit Herzklopfen, gegen die Zeit und das Alter zu laufen. Aufgeregt schlug sein Herz, um Barmherzigkeit flehend. Nichts zu machen! Immer weiter es gab keinen Ausweg. Das schlimmste war, daß es zu schneien begann! Auf den ersten Blick schien es nicht der Rede wert. Wenn es nun aber stärker schneite? Nun denn, ein armer Teufel ist ja so viele Schicksalsschläge gewohnt. Gerade er wenn er sich darüber auch noch beklagen wollte! Welch eine Beleidigung des Schicksals! Hier kam ihm seine Gutmütigkeit zustatten. Es mochte kommen, was da wollte, er nahm alles mit demselben Gleichmut auf. Wozu sich ärgern? Das führte zu nichts. Einen Philosophen nannten sie ihn und meinten einen Schwachsinnigen. Es war ihm egal!
Die Schneeflocken fielen vom Himmel herab, wie Watte. Und wie sie fielen! Ein herrlicher Anblick! Glücklicherweise war die Kapelle der Senhora dos Prazeres ganz in der Nähe. Sollte der Spaß so weitergehen, nun, dann würde er sein Nachtlager eben in der Vorhalle der Kapelle aufschlagen! Wenn das so aussah, na, dann ade, Weihnachtsnacht in Lourosa ...
Er schritt jetzt schneller aus, überspielte die Müdigkeit und bahnte sich einen Weg durch den Flockenregen. Was für ein prächtiges Panorama! Mit großen Elefantenpfoten und weiß wie ein Müller, so erreichte er nach einer halben Stunde den Vorplatz der einsamen Kapelle. Ringsum war nicht eine Handbreit Boden, die der Schnee unbedeckt gelassen hatte. So weiß getüncht, erinnerten die Felsen an Büßer.
Es war doch klar: ein anderes Ruhelager kam gar nicht in Frage. Er sollte sich ganz einfach damit begnügen!
Er trat unter den Vorbau, lehnte den Wanderstab an die Mauer, legte den Quersack ab und schüttelte sich; erst da bemerkte er, daß die Tür der Kapelle nur angelehnt war. Entweder war es Vergeßlichkeit oder irgendeine Sünderseele hatte das Schloß aufgebrochen.
Na schön! Immerhin das kleinere Übel. Im Notfall konnte er hineingehen und dort drinnen Schutz suchen. Ein Schritt, zu dem man sich gegebenenfalls entschließen würde ... Doch zunächst einmal mußte er hier draußen ein Feuer anmachen. Die Frage war nur, wo sich etwas Brennbares auftreiben ließ.
Er streifte umher und kehrte schließlich mit einem Armvoll Heidekraut zurück und versuchte es anzuzünden. Doch es war zu frisch und dazu feucht, so daß die Flamme nach einem kurzen ermunternden Aufflackern erlosch. Dreimal wiederholte er den Versuch, jedesmal mit demselben Erfolg. Verdammt! Alle Streichhölzer vergeuden nein, das ging nicht.
In einem Anflug von Angst, weil der Wind, der vom Gebirge her wehte, einen lähmte und es allmählich Nacht wurde, kam ihm der Gedanke, einfach in die Sakristei zu gehen und nachzusehen, ob sich dort vielleicht ein Stück Papier finden ließ. Tatsächlich entdeckte er eine Zeitung, mit der ein Schubfach ausgelegt war. Ruhiger jetzt, und auch dem Himmel für die Hilfe sehr dankbar, blickte er den Altar an.
Fast unsichtbar im Halbdunkel schien ihm die Gottesmutter mit dem Gottessohn auf dem Arm zuzulächeln.
»Frohe Weihnacht!« wünschte er ihr sodann, ebenfalls lächelnd.
Befriedigt über seine Worte, die ihm unbewußt entschlüpft waren, wandte er sich um und erblickte in der Ecke ein Traggestell für die Prozession. Da drängte sich ihm eine andere Idee auf. Gewiß war das ein Mißbrauch na schön! Aber hier so einfach erfrieren, das wäre das letzte! Er wollte sofort das Gerüst zerschlagen, juchhe! Für die nächste Wallfahrt würden sie sich schon ein neues beschaffen.
Kurze Zeit später konnte es die schützende Überdachung, umhüllt von pechschwarzer Nacht, mit jedem anheimelnden Herdfeuer aufnehmen. Das trockene Holz des Traggestells brannte, daß es nur so eine Freude war. Allein beim Duft des Stück Schinkens, das er in Carvas bekommen hatte, lief ihm das Wasser im Mund zusammen. Was wollte er mehr!
Als seine Sachen trocken waren und er sich aufgewärmt hatte, bereitete er sich sein Abendessen. Er holte ein Taschenmesser hervor, schnitt ein Stück Maisbrot ab und eine Scheibe Schinken und ließ sich dann nieder. Als er jedoch den ersten Happen in den Mund schieben wollte, spürte er plötzlich Gewissensbisse. Um sein Gewissen zu beruhigen, erhob er sich wieder und trat in den Kapelleneingang. Der Feuerschein fiel voll auf das vergoldete Schnitzwerk und erfüllte den ganzen Raum.
»Wollen Sie nicht mithalten?«
Die Heilige Mutter schien ihm wieder zuzulächeln, ebenso das Knäblein.
Angesichts der einladenden Geste, die ihm von Mal zu Mal herzlicher dünkte, fackelte Garrinchas nicht lange. Er trat ein, steuerte auf den Altar zu, packte das Heiligenbild und trug es nahe ans Feuer.
»Hier halten wir drei jetzt unser Weihnachtsmahl«, sagte er mit der Unschuld und der Ironie eines Patriarchen. »Sie spielen sich selbst, der Kleine ebenso, und ich, wenn auch dessen unwürdig, spiele den heiligen Joseph.«
übersetzt von Horst Schulz
(aus: Jörg Hildebrandt, Zur Winterzeit der Welt, Evangelische Verlagsanstalt, Berlin, 1980)
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