| Startseite | Wir über uns | Who we are | Get involved | Mitwirken | Publikationen| Kontakt | Impressum | Links |
Workshop „Berlin überwindet den Antiziganismus“
Die Kommunikation in der Nachbarschaft ist zumeist durch konkrete Konflikte inspiriert und daher oft problemzentriert. Dennoch oder gerade deshalb halten wir es für besonders wichtig, den historischen und politischen Kontext des Verhältnisses zwischen Roma und Deutschen zu berücksichtigen.
Seit der ersten Einwanderung von Sinti nach Deutschland im Mittelalter mussten die Angehörigen dieser Minderheit für die Personifizierung von für die politische Entwicklung wichtigen Stereotypen herhalten. Das Unstete, Unzuverlässige, Undisziplinierte und nicht Zivilisierte wurde in der ideologischen Figur des „Zigeuners“ bzw. mit zusätzlichen sexuellen Konnotationen der Zigeunerin zusammengefasst und als unintegrierbar und bedrohlich beschrieben. Regelmäßig waren es dann vor allem Roma oder Sinti, denen die stereoytp gezeichneten Eigenschaften generell unterstellt wurden und die dafür zuletzt im Nationalsozialismus mit der Ausrottung bedroht wurden.
Ohne die in der Wahrnehmung und in der Kommunikation auch heute noch versteckten Vorurteile bewusst zu machen, wird ein respektvoller Dialog entscheidend behindert und somit die Aushandlung von Kompromissen erheblich erschwert.
Der Workshop besteht aus einzelnen Modulen, die je nach Zielgruppe, Zeitrahmen und Anlass flexibel zusammengestellt werden können. Die Gesamtdauer beträgt ca. 3,5 Stunden. Anfallende Kosten sind je nach Modul mit den Veranstaltern abzustimmen.
Einführungsvortrag zum Antiziganismus
Markus End promoviert derzeit am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin zum Thema Antiziganismus und ist Mitherausgeber des im Moment aktuellsten Sammelbandes „Antiziganistische Zustände“ (Berlin 2009). In seinem 20- bis 45-minütigen Vortrag beschreibt er den Katalog der im Antiziganismus konkret ausgeprägten Stereotypen und deren historische und politische Bedeutung.
Dauer: ca. 45 min
Video der Berliner Jugendkulturlotsen „…und sie haben’s im Blut?“
Die Roma-Videogruppe der Jugendkulturlotsen führte 2009 und 2010 Interviews auf der Straße durch mit den Stimulierungsfragen:
Man sagt ja, Zigeuner würden besonders viel stehlen. Was glauben Sie warum?
Man sagt ja, Zigeuner wären nicht sesshaft und würden herumziehen. Was glauben Sie warum?
Man sagt ja, Zigeuner würden sich das Leben gern leicht macht. Was glauben Sie warum?
Man sagt ja, Zigeuner könnten besonders gut musizieren. Was glauben Sie warum?
Eine weitere Gruppe Passanten wurde mit der Frage stimuliert:
Über Roma und Sinti gibt es bekannter Maßen viele Vorurteile. Wo verstecken sich diese Vorurteile bei Ihnen oder bei anderen?
Die dabei zustande gekommenen Aufnahmen wurden professionell geschnitten und editiert und mit Erzählungen der vier Jugendlichen zu konkreten Diskriminierungserlebnissen in ihrer eigenen Kindheit kombiniert. Daraus ist ein sehr eindrucksvoller Kurzfilm entstanden, der ohne Umwege auf ganz aktuell bestehende Stereotypen hinweist und sich damit sehr gut für die Vorbereitung von Diskussionen eignet.
Dauer: ca. 11 min
Diskussion mit Roma & Nicht-Roma Aktivist/innen aus Berlin in kleinen Gruppen
Mit den Teilnehmenden werden nach einem Einstiegsimpuls (Vortrag, Film, Theaterstück) kleine Gruppen von fünf bis acht Leuten gebildet, die mit zwei Berliner Aktivisten in der Arbeit gegen Antiziganismus (darunter ein/e Roma und ein/e Nichtroma) über eigene Erfahrungen zum Antiziganismus oder im Kontakt mit Roma oder Sinti diskutieren. Diskussionsziel ist es, Erfahrungen auszutauschen und die oft unbewusste Verallgemeinerung der Erlebnisse mit einzelnen auf die gesamte Gruppe der Roma auszudehnen. In einer zweiten Runde geht es um konkrete Ideen, wie im Alltag und in der Nachbarschaft praktische Schritte zur Überwindung des Antiziganismus vorgenommen werden könnten.
Dauer: ca. 45-60 min
Film „Jedem das seine“, Regie: Stefan Schaller
Eine Geschichte über Diskriminierung und Ungerechtigkeit. Im Zentrum der Handlung stehen zwei Brüder aus dem ehemaligen Jugoslawien, die der Volksgruppe der Roma angehören. Ihr Leben verläuft völlig gegensätzlich, bis sich ihre Wege auf einmal kreuzen. Die Filmcrew ist bei rechtzeitiger Terminvereinbarung an der Teilnahme an Diskussionen über den Film interessiert.
Dauer: ca. 60 min
Abendbrotbuffet mit Speisen, die als traditionelles Essen von Romafamilien gelten
Während des gemeinsamen Essens können die gewonnen Eindrücke individuell und informell diskutiert werden, und die Workshops können den Charakter einer gemeinsamen Bewusstmachung von Vorurteilen bekommen. Am Rande kann entdeckt werden, dass das als „Roma-Essen“ titulierte Mahl Speisen enthält, die in anderen Kulturen ebenfalls als landes- bzw. ethnotypisch etikettiert sind und dass sich die sogenannte „Roma-Kultur“ zumindest kulinarisch aus vielen bereits bekannten Elementen zusammengesetzt und keineswegs fremd und geheimnisvoll is(s)t.
Kontakt:
Zvonko Salijevic
Telefon +49 175. 737 73 02
zvonko.salijevic@raa-berlin.de





