Mehr Rezepte, Geschichten, Bilder und Anregungen enthält die Broschüre Feste der Weltreligionen, Interkulturelle Beiträge Nr. 6



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14. – 16. 2. 2010 - Tet-Fest
Vietnamesisches Neujahr zum Beginn des Jahres des Tigers, zugleich Frühlingsfest; in vielen Ländern Ostasiens entzündet man Feuerwerk und führt Drachentänze auf, um die bösen Geister zu vertreiben

Info
Das Neujahrsfest Tet Nguyen Dan, in seiner Popularität mit dem Weihnachtsfest vergleichbar, wird jeweils in den Monaten Januar/Februar gefeiert. In jener Zeit des ersten Frühlingsmondes (nach dem Mondkalender) wird Abschied von der Dunkelheit und der Kälte genommen und die fruchtbringende Zeit begrüßt. So wünscht man sich zu dieser Festzeit den Nieselregen, den Frühlingsregen, der die Aussaat tränken soll. Die Vorbereitung auf dieses Fest beginnt schon Wochen vorher, und am Festtage werden rote Spruchbänder ausgehängt mit den Wünschen für ein »Glückliches Neues Jahr« (Chuc Mung Nam Moi). Ein symbolisches Ritual des Festes ist der Drachentanz: der Drache als Kämpfer gegen das Böse, als Sieger gegen das Feindliche. Aus der Legende überliefert ist, daß am 23. Tag des letzten Mondmonats des alten Jahres der Küchengott sich aufmacht zum Neujahrsfest der Götter.
Äußerlich sichtbares Zeichen des Neujahrsfestes ist die opulente Ausschmückung mit Blumen wie Gladiolen, Chrysanthemen, Gerbera, Orchideen und Narzissen - insbesondere mit Pfirsichzweigen oder Aprikosenblüten. Höhepunkt ist das mitternächtliche Festessen, bei dem traditionell der runde »Kuchen des Himmels« (banh day) und der viereckige »Kuchen der Erde« (banh chung) serviert werden. Beide werden aus Klebereis hergestellt.
Der Beginn des neuen Jahres wird mit großem Feuerwerk gefeiert. Man begibt sich nach draußen, begrüßt Freunde, Nachbarn und Verwandte; das Ganze wird begleitet mit Musik und rituellen Bräuchen wie z.B. dem Drachentanz. Die »Begrüßung« des neuen Jahres ist zugleich auch ein Abschied von den bösen Geistern, den Schwierigkeiten der vergangenen Zeit, und somit Beginn der Hoffnung auf ein besseres, friedvolles Leben. Dazu wird ein alter Brauch gepflegt, demzufolge Kinder - wie auch die Dichter - ein paar Zeilen auf Papier malen, man spricht dabei von »Pinselstart«: Wer jetzt gut denkt und dies notiert, dem wird es auch das ganze Jahr gelingen.
Am nächsten Tag wird vielerorts der erste Gast erwartet, da er mit seinen Eigenschaften (hoffentlich sind es die besten) das kommende Jahr prägen soll.
Allgemein dauert dieses Fest drei Tage, an verschiedenen Orten gelegentlich bis zu sieben.

Eine Geschichte - Der Klebereiskuchen
Nach dem Sieg über die An wollte König Hung-Vuong VI. einem seiner Söhne sein Reich übergeben. Er ließ die 22 Prinzen zu sich kommen und sprach: »Wer von euch in der Zeit von Jahresende bis Neujahr die vorzüglichsten Opfer für die Ahnen vorbereiten kann, soll mein Nachfolger werden.«
Alle Prinzen ließen ihre Untertanen in den Urwäldern und in den Tiefen des Meeres nach den kostbarsten Schätzen suchen. Nur der neunte Prinz namens Lang-Lieu, der schon früh seine Mutter verloren hatte, verfügte über zu wenige Berater und Diener. Er machte sich große Sorgen. Eines Nachts erschien ihm im Traum ein Geist, der zu ihm sprach: »Unter dem Himmel und auf Erden gibt es nichts Kostbareres als Reis, denn er stellt die wichtigste Nahrung des Volkes dar. Nimm Klebereis, bereite daraus einen kreisförrnigen Kuchen, um den Himmel, das männliche Prinzip, darzustellen. Dann bereite einen viereckigen Kuchen zu, um die Erde, das weibliche Prinzip, zu verkörpern. Lege in die Mitte der Kuchen einen Kern, der aus Fleisch, Zwiebeln und Pfeffer besteht, das soll den Menschen darstellen. Umhülle die Kuchen mit Bananenblättern und koche alles. Du wirst sehen, die Opfergaben werden deinem Vater gefallen.«
Der Prinz erwachte und befolgte genau diese Anweisungen. Zum gegebenen Zeitpunkt brachten alle Prinzen dem König ihre Opfergaben. All die wertvollen Geschenke wurden aufgestellt und geschätzt. Nur die Kuchen des Prinzen Lang-Lieu erschienen äußerst seltsam. Überrascht fragte der König seinen Sohn, was diese denn zu bedeuten hätten. Lang-Lieu erzählte seinen Traum und was der Geist ihm geraten habe. Der König aß die Kuchen, die ihm so gut schmeckten, daß er beschloß, Lang-Lieu zu seinem Nachfolger zu wählen.
Seit diesem Tage werden die Klebereiskuchen banh day und banh chung am Neujahrstag zubereitet und dem Himmel, der Erde und den Ahnen als Opfergabe dargebracht.

Ein Rezept
Banh day banh chung - Gekochter Klebereiskuchen
Der Klebereiskuchen gehört unbedingt zum vietnamesischen Neujahrsfest Tet.

500 g sehr fettes Schweinefleisch
1 kg Klebereis, 500 g grüne, getrocknete Sojabohnen, geschält und halbiert
1 Bd. Bananenblätter, frisch oder getrocknet, 5 Eßl. Bienenhonig nach Belieben
1 Dose eingelegte Schalotten nach Belieben
Bereitstellen:
1 große Kasserolle, 1 Tl. Salz, 1 halb Tl. Pfeffer
Klebereis gut waschen, 1halb Tl. Salz untermischen und ca. 24 Stunden einweichen. Sojabohnen ebenfalls ca. 24 Stunden einweichen, Schalen abschöpfen. Schweinefleisch kurz waschen, trockentupfen und in ca 1halb cm dicke, 5cm breite und 10cm lange Scheiben schneiden. Frische Bananenblätter gut reinigen, schnell über einer Flamme wenden, damit sie weich werden. Getrocknete Bananenblätter kurz in lauwarmes Wasser tauchen, damit sie biegsam werden. Auf jedes Blatt legt man: 1 Schicht Reis (ca. 125 g), 1 Schicht Bohnen (ca. 60 g), 1 Schicht Fleisch (ca. 125 g), nochmals ca. 60 g Bohnen und ca. 125 g Reis. Das Bananenblatt so zusammenfalten, daß es einen quaderförmigen Kuchen ergibt, der mit Küchengarn fest umwickelt wird. Die Klebereiskuchen in reichlich Wasser ca. 5-8 Stunden je nach Intensität der Flamme in der Kasserolle kochen. Ab und zu kochendes Wasser hinzufügen und Kuchen wenden. Die Klebereiskuchen aus dem Wasser nehmen und unter einem sehr schweren Gegenstand abkühlen lassen, damit die Reismasse gut gepreßt wird.
Tunken:
Bienenhonig in ein Sauceschüsselchen füllen.
Anrichten:
Die Bananenblätter abnehmen, die Kuchen auf einen Servierteller legen, jeden Kuchen in ca. 3 cm große Stücke schneiden. Schalotten in einer separaten Schüssel servieren.
Kalt servieren ohne Reis; man ißt mit Eßstäbchen, dabei taucht man die Kuchenstücke in den Bienenhonig.
Getränke:
Warmer Tee
Tips:
Dieser Kuchen eignet sich als Vorspeise, Dessert oder Zwischenmahlzeit. In Vietnam werden neben Bananenblättern auch die Blätter la doung (Phrynium capitatum) verwandt. Wenn Bananenblätter im Handel nicht erhältlich sind, kann man statt dessen auch Alufolie verwenden.
Verwendet man jedoch frische Blätter, dann färben sich die Klebereiskuchen grünlich. Daher nennt man sie in Vietnam auch »grüne Klebereiskuchen« (banh chung xanh).
Man formt sie in Vietnam auch zu runden, ca. 20 bis 40 cm langen Stangen. Vor dem Servieren schneidet man sie dann in ca. 1 cm dicke Kuchenscheiben, man nennt sie »runde Klebereiskuchen« (banh day oder banh tet.) Klebereiskuchen halten sich im Kühlschrank ca. eine Woche. Zum Einwickeln können mehrere Bananenblätter verwendet werden, um ein Aufplatzen zu verhindern.
Dieser Klebereiskuchen wird in Vietnam nur an großen Festtagen wie Neujahrstag oder Hochzeitstag zubereitet.
(aus: Miteinander leben und feiern, Dagyeli Verlag, Frankfurt a. M., 1987)

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