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Mehr Rezepte, Geschichten, Bilder und Anregungen enthält die Broschüre Feste der Weltreligionen, Interkulturelle Beiträge Nr. 6
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17. 12.//18. 12. 2009 - Ras As-Sana
Islamisches Neujahrsfest zum Beginn des Jahres 1431 im islamischen Kalender, der mit der Auswanderung der Muslime von Mekka nach Medina im Jahr 622 n. Chr. beginnt
Info
Der Ursprung des Islam liegt in Arabien und ist datiert im 7. Jahrhundert n.Chr., wobei der Begriff Islam »Hingabe an Gott« bedeutet und sein Prophet Mohammed ist. Mohammed, 570 n.Chr. in Mekka geboren und früh verwaist, arbeitete später als Karawanenreisender. Im Alter von 40 Jahren soll er eine prophetische Botschaft vernommen haben. In einer Höhle des Berges Hira habe ihm der Engel Gabriel seine Berufung zum Gesandten Allahs übermittelt und den Auftrag, dessen Lehre zu verbreiten. Dieser Botschaft folgten in den nächsten 23 Jahren weitere göttliche Offenbarungen von der Lehre, den Geboten wie Verboten; u. a. die Verehrung Allahs als einzigen Gott, die leibliche Auferstehung nach dem Tod, den Gläubigen das Paradies-Versprechen, den Ungläubigen die ewige Verdammnis. Seine Predigten in Mekka wurden von Kaufleuten und Aristokraten als Provokation empfunden und kritisiert, führten zu Verfolgungen und schließlich zu Mohammeds Flucht nach Jathrib, das fortan Medina (Stadt der Propheten) genannt wurde. Dies geschah 622 und ist zugleich der Beginn islamischer Zeitrechnung; im Februar 2005 beginnt das Jahr 1426 islamischer Zeitrechnung.
Eine Geschichte
Unser altes Haus in Teheran - Nasrin Bassiri
In der kleinen Küche meiner Berliner Neubauwohnung nehme ich ein Päckchen Linsen aus dem Regal, schütte sie in eine Schüssel und lasse das Wasser darüber laufen. Bald haben wir unser Neujahrsfest, bis dahin müssen sie grünen. Ich denke an unser altes Haus in Teheran, mit großem Garten und alten Platanen, auf denen die Krähen nisteten. Einige Wochen vor Neujahr, dem Frühlingsanfang, fing meine Mutter an, das Haus zu putzen, ließ die Teppiche waschen, sie räumte die Schränke aus, staubte alles ab, sogar der Keller wurde blitzblank geputzt. Wir hatten wie die meisten Nachbarn einen kleinen Teich im Hof, in dem Wildrosen wuchsen und kleine rote Fische schwammen. Im Winter wurde der Teich mit Holzlatten zugedeckt, damit die Fische nicht erfroren. Zu Neujahr wurden die Latten entfernt, die Fische mit einem Küchensieb herausgenommen und in einen großen Topf gesteckt. Einer der Männer, die an diesen Tagen mit Blecheimern und hochgekrempelten Hosenbeinen durch die Gassen »Abehosie« Teichwasser riefen, wurde hereingeholt. Er schöpfte das dunkelgrüne Wasser mit einem Eimer und goß es in das Blumenbeet unter den alten Platanen. Das Becken wusch und schrubbte er sorgfältig und ließ dann sauberes Wasser in das Teichbecken fließen. Die Fische wurden wieder hineingeworfen, die dann sofort ihre Befreiung aus dem engen Topf und das Wiedersehen mit dem Himmel feierten; sie glitten spielerisch in das glasklare, kalte Wasser.
Mein Vater holte ein paar Kästen mit gelben und blauen Stiefmütterchen, die er in das Beet pflanzte. Die roten Knospen der japanischen Quitten, die überall im Beet zwischen den Platanen standen, kündigten den Beginn des Neujahrs an. Wenn alles blankgeputzt war und blitzte, brachte meine Mutter ein Tuch, das mit bunten Perlen und Flittern bestickt war, aus ihrer Truhe, wo sie ihre Kostbarkeiten aufbewahrte, breitete es aus und legte 7 Sachen, die mit »Sin« Buchstabe S anfingen, drauf. Als erstes setzte sie den Linsenteller auf das Tuch. Die schmalen, grünen Stengelchen, die dicht wie eine Mähne aus den Samenkörnern gewachsen waren, band sie mit einem roten Streifen zusammen. Ein »Sieb« Apfel , ein »Sir« Knoblauchzehe , etwas »Serkeh« Weinessig und »Somagh« Sumach, ein säuerlich schmeckendes Gewürz kamen ebenfalls auf das Tuch. Es kamen noch »Samanu« eine Art Mehlspeise und »Sonbol« Hyazinthe sowie »Sendjed« Mehlbeere mit auf die Tafel. Wenn uns ein »Sin« fehlte, brachte meine Mutter noch ein »Sekeh« Münze , meist eine Goldmünze, und legte sie auf die Tafel. Ein Spiegel, der Koran, ein Glas Wasser, in dem ein grünes Blatt schwamm, und ein durchsichtiger Krug, in dem einige unserer Goldfische schwammen, gehörten ebenfalls dazu. Manchmal stellte sie eine Handvoll Reiskörner (unsere Hauptnahrung), ein Glas Milch und ein paar bunte Eier als Zeichen der Fruchtbarkeit auf die Tafel.
Wir waren frisch gebadet, brannten vor Neugier und Aufregung, saßen in unseren neuen Kleidern und Schuhen da und warteten auf das »Sale Tahwil«, den Jahreswechsel, auch wenn er auf drei Uhr früh fiel. Wir hörten gespannt dem Radio zu, das immer ansagte: »Noch 10 Sekunden bis zum Jahreswechsel ... noch fünf Sekunden ...«
Und schließlich der Gong, der den Beginn des neuen Jahres ankündigte. Dann gab meine Mutter jedem Kind ein paar »Noghl«, eine Art Süßigkeit mit Mandeln, damit wir das ganze Jahr über »süße Zeiten« hätten, und küßte uns. Mein Vater küßte den Koran, nahm ihn in die Hand und gab jedem einige neugedruckte Geldscheine, die er zwischen die Koranblätter gelegt hatte, und küßte uns ebenfalls. Wir konnten nach den Feiertagen mit diesen Scheinen und denen, die wir an den nächsten Tagen von zahlreichen Tanten und Onkeln und sonstigen Verwandten und Bekannten bekamen, für uns Geschenke kaufen.
Wir aßen dann, je nach Uhrzeit der Jahreswende davor oder danach, eine Mahlzeit, die aus Kräuterreis, Fisch und Gemüsetorte bestand.
Ich bin in einer Mittelschichtfamilie aufgewachsen. Es gab aber viele Familien, die Schwierigkeiten hatten, ihren Kindern für das Neujahr neue Kleider zu kaufen. Wer einmal im Jahr ein einziges Kleid für seine Kinder kaufen oder nähen konnte und ein Paar Schuhe und Strümpfe besorgte, tat es in dieser Zeit. Ich vergesse den Anblick der Kinder nicht, die mit ihren neuen bunten Kleidern, auch wenn sie ärmlich waren, und ihren neuen Schuhen, die noch rutschig waren, Hand in Hand mit ihren Eltern an den Feiertagen durch die Straßen gingen und Verwandte besuchten.
Ansprechpartner
Türkische Gemeinde in Deutschland
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Tempelhofer Ufer 21, 10963 Berlin
Telefon 030 - 20 05 16 24
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Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) e.V.
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