Mehr Rezepte, Geschichten, Bilder und Anregungen enthält die Broschüre Feste der Weltreligionen, Interkulturelle Beiträge Nr. 6



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12. – 19. 12. 2009 - Chanukkah
Jüdisches Fest zur Erinnerung an den erfolgreichen Aufstand der Makkabäer gegen die syrische Unterdrückung und an die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem 165 v.u.Z.; während der acht Abende des Fests werden an nach außen gut sichtbarer Stelle Kerzen angezündet

Info
Zu Chanukka gedenken die Juden des Tages, an dem im Jahre 165 v.Chr. der Jerusalemer Tempel wieder geweiht wurde. Der Seleukidenkönig Antiochos-Epiphanes hatte den griechischen Götterkult eingeführt und gleichzeitig die Befolgung der Thoragebote verboten. Dagegen erhoben sich die Juden in einem Aufstand unter Führung der Makkabäer und besiegten die zahlenmäßig weit überlegenen Syrier.
Zur Einweihung des neuen Tempels gab es nur einen kleinen Krug, der mit rituell reinem Öl gefüllt wurde. Dieses Öl brannte wundersamerweise acht Tage. Daran wird jedes Jahr erinnert, indem man in Öl gebackene oder gebratene Speisen wie z. B. Kartoffelpuffer (Latkes) ißt und an den acht aufeinander folgenden Tagen jeweils ein Licht mehr entzündet. An jedem Chanukkaleuchter (Menora) gibt es neben den acht Kerzen oder mit Öl gefüllten Behältern einen neunten, der nach oben, nach vorn oder seitlich herausragt. Das ist der Schammasch, der sogenannte Diener, den man zum Anzünden benutzt.

Eine Geschichte
Die Wunder von Chanukka - Jizchok Leib Perez
1
Ich hielt schon meinen Mantel in der Hand und blieb plötzlich unentschlossen stehen:
»Soll ich heute zum Unterricht gehen oder nicht?«
Das Wetter ist unangenehm, feucht und kalt. Die Leute wohnen weit, beinahe eine halbe Meile Wegs. Und wozu die Umstände? Um einem Jungen hebräische Zeitwörter einzupauken, um wieder einmal seinen Großvater sagen zu hören, er sei mit seinen mehr als sechzig Jahren stets ohne Grammatik ausgekommen und dennoch zehnmal in Leipzig und ein paarmal in Danzig gewesen und einmal beinahe bis nach Konstantinopel gekommen? Der noch immer nicht begreifen kann, warum man mich bezahlt. Eine wichtige Sache ist diese Grammatikstunde!
Und der Vater meines Schülers würde viel lieber mit Peies, einem Streimel und einem Kaftan mit Schnüren umherlaufen und hin und wieder zu einem Zaddik fahren, von der Grammatik will der auch nichts wissen. Er hält sich für ein unschuldiges Opfer. Als Kaufmann, der unter Menschen kommt, muß er einen Hut und ein gebügeltes Hemd tragen, dulden, daß seine Frau das Theater besucht und daß seine Tochter Romane liest, und seinem Jungen muß er gar einen Lehrer halten, der ihn in der Grammatik unterrichtet. »Hat denn der Vater nicht recht?«, pflegt er zu sagen. »Aber die Welt will es so!«
Der Welt kann er eben nichts abschlagen!
»Tut mir den einzigen Gefallen«, bittet er mich, »und verderbt mir meinen Jungen nicht! Ich zahle Euch«, sagt er, »soviel Geld für das bißchen Grammatik, nicht aber, um ihm zu sagen, daß die Erde sich um die Sonne dreht!«
Und ich versprach ihm, daß der Junge nichts davon erfahren sollte. Ich hatte ja nur diesen einen Schüler, und meine Mutter war krank!
»Soll ich gehen oder nicht gehen?«
Die ganze Stunde über gibt die Familie auf mich acht. Ob auch sie mich beachtet?
Sie sitzt immer abseits, in ihr Buch vertieft. Ab und zu hebt sie ihre langen seidenen Wimpern, und dann wird es plötzlich ganz hell in der Stube. – Das geschieht aber selten, so selten.
»Was werde ich davon haben? Nichts als Ärger!«
»Hörst du?«, höre ich plötzlich die schwache Stimme meiner Mutter, die im Bette liegt. »Der Feldscher sagt, daß ich aufstehen könnte, wenn ich ein Paar warme wollene Strümpfe hätte.«
Also muß ich doch gehen!
2
Mit Ausnahme der Hausfrau, die wie gewöhnlich ohne Wissen des Schwiegervaters ins Theater gegangen ist, treffe ich die ganze Familie am Teetisch.
Mein »Guten Abend!« wird vom Vater mit einem schwachen »Gutes Jahr!« beantwortet. Er hält ein Spiel Karten in der Hand und wartet offenbar auf Gäste.
Der Großvater mit dem spitzen Käppchen und dem weiten türkischen Schlafrock hält es nicht für nötig, die Bernsteinpfeife aus dem Munde zu nehmen und vom alten Gebetbuch aufzublicken. Er nickt mir ganz schwach mit dem Kopfe zu und vertieft sich wieder in die Erklärungen zum Chanukkatext.
Auch sie ist in ein Buch vertieft, in einen Roman.
Mein Erscheinen erfreut meinen Schüler nicht gerade.
»Was?«, schreit er, von seinem Platze aufspringend und den Kopf mit den schwarzen Locken emporwerfend: »Was, habe ich denn auch heute Unterricht?«
»Warum denn nicht?«, lächelt der Vater.
»Es ist doch Chanukka!«, sagt der Kleine, stampft mit dem Fuße auf und zeigt auf das brennende Lichtchen und den Diener, die, an ein Brettchen geklebt, auf der Fensterbank stehen.
»Hast recht!«, brummt der Großvater.
»Also gut!«, sagt gleichgültig der Vater.
Sie aber wird etwas bleicher und senkt den Kopf noch tiefer.
Ich sage: »Gute Nacht!« und will gehen, aber der Vater hält mich zurück: »Ihr müßt mit uns Tee trinken!«
»Und Mohnkuchen essen!«, ruft freudig mein Schüler. Er würde sich mit mir recht gut vertragen, wenn es nicht die hebräischen Zeitwörter gäbe.
Ich will danken und gehen, der Schlingel packt mich aber bei der Hand und schleppt mich mit einem schelmischen Lächeln zum Stuhl, der seiner Schwester gegenüber steht. Hat er schon etwas gemerkt?
Natürlich hat er nur mir etwas anmerken können. Denn sie ist immer in ihr Buch vertieft. Sie hält mich wahrscheinlich für einen Menschen ohne höhere Interessen. Vielleicht gar für etwas Ärgeres. Sie weiß ja nicht, daß ich eine kranke Mutter zu Hause habe!
»Der Tee ist doch hoffentlich fertig!«, ruft ungeduldig der Vater.
3
»Sofort, sofort, Vater!«, antwortet sie hastig, und ihr blasses Gesicht rötet sich.
Der Vater wird wieder nachdenklich. Mein Schüler läßt den Trendel auf dem Tisch kreiseln, der Alte legt das Gebetbuch weg und bereitet sich auf das Teetrinken vor.
Unwillkürlich hefte ich meinen Blick auf die beiden Lichter, die mir gegenüber auf der Fensterbank brennen. Sie leuchten so traurig und scheinen sich vor der blitzenden Nickellampe zu schämen, die über dem Eßtisch hängt und alles mit ihrem Lichte übergießt. Es wird mir noch trauriger zumute, und ich merke gar nicht, wie sie mir ein Glas Tee reicht.
»Mit Zitrone?«, weckt mich ihre traurige Stimme. »Oder lieber Milch?«, fragt der Vater.
»Nein, lieber keine Milch, die ist heute angebrannt!«, warnt mich mein Schüler.
»Fürchterlich!«, kommt es von ihren Lippen.
4
Und wieder ist es still. Man hört nur das Schlürfen, das Klirren der Löffel und das Ticken der Wanduhr.
Plötzlich fragt mich mein Schüler: »Herr Lehrer, was ist Chanukka?«
»Du kannst morgen deinen Rebben im Cheder fragen!«, sagt etwas unwirsch der Alte.
»Ach!«, sagt mein Schüler trotzig: »Der Herr Lehrer weiß es sicher besser als der Rebbe!«
Der Alte wirft seinem Sohn einen bösen Blick zu, der zu sagen scheint: »Hast du das gehört?!«
»Auch ich will wissen, was Chanukka ist!«, sagt sie leise.
»Gut«, sagt der Vater, »wollen wir hören, was Ihr über Chanukka zu sagen habt!«
5
»Es war in der Zeit«, fing ich an, »als die Griechen das Land Israels unterdrückten.«
»Die Griechen ...« Hier unterbricht mich schon der Alte mit saurer Miene: »In der Schmoine-Eßre ist vom Reiche Jowon die Rede, von der frevelhaften Herrschaft Jowons!« »Das ist ja dasselbe«, bemerkte der Vater: »Was wir Jowon nennen, nennen sie Griechenland!«
»Die Griechen«, fing ich von neuem an, »haben uns furchtbar unterdrückt! Das war eine sehr schlimme Zeit für uns Juden. Es sah so aus, als ob das ganze Volk für immer untergehen würde.
In einigen unglücklichen Aufständen verloren wir unsere letzte Kraft. Der letzte Funke der Hoffnung war erloschen. Man trat uns in unserem eigenen Lande wie Würmer mit Füßen.«
Der Vater hörte längst nicht mehr zu. Er blickte gespannt auf die Türe und erwartete seine Gäste. Aber der Alte wandte von mir keinen Blick. Und als ich wieder einmal das Wort »Unterdrückung« gebrauchte, konnte er sich nicht länger beherrschen und sagte:
»Der Mensch redet so ins Blaue hinein. Was redet er von Unterdrückung? Die Sache war ja ganz einfach: Sie ließen uns keinen Sabbath und keine Feste feiern, wir durften weder die Thora lernen noch unsere Söhne beschneiden!«
»Wollt Ihr nicht eine Partie Preference spielen?«, fragte mich plötzlich der Vater. »Oder vielleicht gar Oko?«
6
Doch es wurde wieder still, und ich erzählte weiter: »Die Lage wurde noch unerträglicher, als unser Adel und unsere Reichen sich ihrer jüdischen Abstammung zu schämen begannen und griechische Sitten annahmen. Sie schickten ihre Kinder in die Gymnasien.«
Sie und der Großvater sahen mich erstaunt an.
»An diesen Gymnasien«, fuhr ich fort, »lernte man nicht wie heute. Man trieb dort Gymnastik, man turnte nackt, und zwar Männer und Weiber zusammen.«
Beide Augenpaare senkten sich wieder. Dafür fingen aber die Augen des Vaters plötzlich zu leuchten an: »Ist das wahr?«
Ich antwortete ihm nicht und erzählte weiter von den zirzenisischen Spielen, bei denen Menschen mit wilden Tieren kämpfen mußten, und von anderen griechischen Gebräuchen, die den Juden sehr zuwider waren.
»Das genügte aber den Griechen noch nicht. Sie wollten alles Jüdische einfach ausrotten. Darum stellten sie in den Städten Altäre und Götzenbilder auf und verlangten, daß die Juden ihnen Opfer darbringen.«
»Was heißt das?«, fragte sie auf Polnisch: Sie hatte den letzten jüdischen Satz nicht verstanden.
Ich erklärte es ihr, und der Alte fügte erregt hinzu:
»Ein Schwein! Sie verlangten, daß man ein Schwein opfere!«
»Und es fand sich auch wirklich ein Jude«, fuhr ich fort, »der vor den Altar trat und ein Opfer darbringen wollte. Gerade rechtzeitig kam aber vom Berge der alte Makkabäer mit seinen fünf Söhnen herab. Ehe noch die griechischen Söldlinge herbeigeeilt waren, schwamm der Frevler in seinem Blute, und der Altar war umgestoßen. Im gleichen Augenblick brach auch der Aufstand los. Und die Makkabäer besiegten mit ihrem Häuflein Helden die hundertmal stärkeren Griechen. Sie vertrieben die Griechen aus dem Lande und befreiten das Volk.«
7
»Zum Andenken an diesen Sieg«, schloß ich meine Erzählung, »entzünden wir alljährlich an diesem Tage unsere bescheidenen Chanukkalichtchen.«
»Was?«, rief da der Alte und sprang zornig von seinem Platz auf: »Ist das das Wunder! Höre, Schmerke!«, schrie er seinen Enkel an, der erschrocken von ihm abrückte, und der Alte klopfte dabei so heftig auf den Tisch, daß die Gläser klirrten.
»Das war das Wunder von Chanukka: Als man die unreinen Griechen vertrieben hatte, war nur ein einziger Krug reines Öl für die Tempellampen übriggeblieben und ...«
Hier bekam er einen Hustenanfall und begann um Atem zu ringen. Der Sohn lief zu ihm und führte ihn ins andere Zimmer.
8
Ich will gehen, sie hält mich aber auf.
»Was halten Sie von der Assimilation?« fragt sie mich.
»Assimilieren«, antworte ich ihr, »heißt verzehren und verdauen. Wir assimilieren Rindfleisch und Brot, und die anderen wollen uns assimilieren. - Uns aufessen wie Rindfleisch und Brot.«
Sie schweigt eine Weile und fragt dann erschrocken:
»Werden sich denn die Völker immer und ewig bekriegen?«
»O nein!«, antworte ich. »Einer Sache wegen werden sich alle Völker begegnen und vereinigen!«
»Und was ist das für eine Sache?«
»Menschlichkeit! – Wenn jeder bei sich zu Hause das Nötige tut, werden sich früher oder später alle einig sein!«
Sie wird nachdenklich. Ich will noch etwas hinzufügen, da geht aber die Klingel an der Tür.
»Es ist die Mutter!«, sagt sie leise und läuft davon. Vorher reicht sie mir zum erstenmal, seit wir uns kennen, die Hand.
9
Am nächsten Morgen, als ich noch im Bette lag, brachte mir ein Dienstmann einen Brief.
Auf dem Umschlag stand die Firma ihres Vaters: »Jacob Berenholz«. Mein Herz klopfte entsetzlich. Im Umschlage lag nichts als ein Zehnrubelschein, mein Gehalt für den letzten Monat, der noch gar nicht abgelaufen war.
Ich war entlassen.
(aus: Die Wunder von Chanukka, Geschichten zu jüdischen Fest- und Feiertagen, Union Verlag, Berlin, 1989)

Ein Rezept
Hering in Mayonnaise
1,6 kg Hering (Matjeshering)
500 g Mayonnaise - 300 g Äpfel (oder Orangen)
300 g Zwiebeln - 300 g Salzgurken - Zucker, Salz, Pfeffer
Die Heringe säubern und filetieren. Für die Soße die in Stücke geschnittenen Äpfel oder Orangen, die halbierten Zwiebelscheiben und die in Scheiben geschnittenen Salzgurken unter die Mayonnaise geben und mit Zucker, Salz und Pfeffer abschmecken. Mit Salzkartoffeln oder als kalte Vorspeise reichen.

Ansprechpartner

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Telefon (030) 284 45 60
Jüdische Gemeinde zu Berlin
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