 |
 |
Mehr Rezepte, Geschichten, Bilder und Anregungen enthält die Broschüre Feste der Weltreligionen, Interkulturelle Beiträge Nr. 6
|
6. 12. 2009 - Nikolaus
Christliches Fest zur Erinnerung an Bischof Nikolaus von Myra, in orthodoxen Kirchen mit Julianischem Kalender am 19. 12. begangen; den Kindern werden nachts heimlich Süßigkeiten in die Stiefel gesteckt
Info
Der berühmteste vorweihnachtliche Festtag ist der 6. Dezember, der beliebteste Heilige, durch Pfefferkuchenbäcker und Schokoladenindustrie millionenfach multipliziert, ist der Nikolaus. Nur eine Umzugsmaske mit wilden Begleitern wie dem Knecht Rupprecht oder ein alter Christenheiliger? Sicher ist, dass sich in der Überlieferung der Nikolaus-Gestalt zwei Legenden vermischt haben: die des Bischofs Nikolaus von Myra in Kleinasien (heute Demre, Türkei) aus dem 4. Jahrhundert und die des Abtes Nikolaus von Sion, Bischofs von Pinora, der 564 starb. Wie sich daraus der bekannte Nikolaus-Brauch entwickelte, ist nicht in allen Zügen nachweisbar. Die frühesten Belege für einen Nikolaus-Kult stammen aus den romanischen Ländern aus der Zeit zwischen 1000 und 1200 und erreichten von dort aus im Mittelalter Deutschland.
Bekannt ist Nikolaus auch als Heiliger der Seeleute mit seinen Heiligtümern entlang den großen Schifffahrts- und Handelswegen; denn 1087 wurden die Gebeine des Bischofs von Myra aus Kleinasien nach Bari, der Hauptstadt von Apulien, überführt, und zwar durch barensische Kaufleute, die so seinen Segen auf ihre Handelswege lenken wollten.
Eine Nikolaus-Legende des wundertätigen Bischofs aus Myra erzählt, wie der Heilige die drei Töchter eines verarmten, aber frommen Edelmannes auf wunderbare Weise für ihre Heirat ausgestattet habe. So wurde er zum Bescherer und Wohltäter.
Im Norden Frankreichs entstand im 11. Jahrhundert eine andere Nikolaus-Legende, die dessen vorweihnachtliche Rolle entscheidend prägte. Drei junge Kleriker oder Scholaren kamen eines Abends auf ihrer Wanderschaft an die Tür eines Metzgers und baten ihn um Obdach. Sie wurden freundlich aufgenommen und bewirtet, aber um Mitternacht erschlug sie der Metzger und pökelte sie in einem Salzfass ein! Bald danach kam Sankt Nikolaus desselben Weges. Auch er bat den Metzger um Herberge und Nachtmahl. Als ihm von dem Salzfleisch angeboten wurde, sah er sogleich, was er vor sich hatte! Durch seinen Segen erweckte er die Knaben wieder zum Leben. Sie erwachten, als hätten sie nur geträumt. Durch diese Wundertat wurde Nikolaus zum Freund der Jugend und Schulpatron, und aus solcher Würde erwuchsen ihm seine examinatorischen Funktionen.
In Frankreich, im west- und süddeutschen Gebiet, in Belgien und den Niederlanden entwickelte sich um ihn ein klösterlich-mittelalterliches und später christlich-bürgerliches, reich entfaltetes Brauchtum. Der Nikolaus packt seine Geschenke in herausgestellte Schuhe oder wirft sie (in den Niederlanden) artigen Kindern durch den Kamin, wenn er über die Hausdächer wandert. Dass die Gestalt unter diesem Namen in den nordöstlichen Gebieten Deutschlands lange Zeit fehlte, kann darauf hindeuten, dass sich die Nikolaus-Bräuche im deutschen Sprachraum erst nach der deutschen Kolonisation richtig ausgebildet haben.
Aber nicht nur der gütige Heilige stehen im Mittelpunkt des Nikolaustages, sein Erscheinungsbild ist bedeutend mannigfaltiger. Im kirchlichen Ornat mit Mitra und Bischofsstab tritt er im Westen und im Süden Deutschlands und in Frankreich auf. Häufig aber haben sich seine Funktionen gespalten: Der Bischof schenkt, und sein Begleiter straft. Denn weder der morgenländische Lokalheilige noch der italienische Bischof hätten einen so gewaltigen Kultbereich erobern können, wenn sie nicht auf eine Fülle von sehr lebendigen traditionellen Vorstellungen und Aktivitäten gestoßen wären.
Eine Geschichte
In der zeit war ein armer man, der het schön töchter drey, und er het ihnen nichts zu geben. So gedacht er ym: ich will sy in das gemeine leben geben, so verdienen sy mit iren sünden, das sy sich neren. So das Sanct Niclaus vernam, do war ym gar leid, und gedacht ym, wie er das underständ. Und er nam ein klumpen goldes, und kam zu des armen mannes huss, und warf es zu dem venster ein, und so der mann des morgens aufstund, do ward er gar fro und danket got siner genaden und gab der elter tochter einen mann; des anderen nachts kam er aber und warf ym aber einen klumpen goldes in sein kammer und floch heim. Und so der mann des morgens das gold aber fand, so war er sehr fro und sprach: „O herr, wer ist der mann, der mir also gütlichen thut?“ und er gab der anderen tochter auch einen mann. Es geschah nun dergleichen die dritte nacht und da lief der glückliche vater dem fremden nach, byss dass er yn erlieff und sprach: „sag mir durch got wie du heissest“. Do sprach er „Ich heyss Niclaus“. Do wollte er ym zu füssen vallen, das wert er ym und bat ym durch got, das er das niemand sage, dieweil er lebet. Das thet er und gingen von einander.
(aus: S. Metken, Sankt Nikolaus in Kunst und Volksbrauch, Duisburg: Lange 1966)
Ansprechpartner
Katholische Kirche
Bischöfliches Ordinariat
Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Wundtstraße 48-50
PF 561, 14057 Berlin
Telefon (030) 32 68 40
Evangelische Kirche in Deutschland
Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Herrenhäuser Straße 12, 30419 Hannover
Telefon (0511) 2 79 60
Unierte Griechisch-Katholische Gemeinde
Griechisch-Katholische Gemeinde Hl. Nikolaus
Mittenwalder Straße 15, 10961 Berlin
Telefon (030) 693 2118
|