Mehr Rezepte, Geschichten, Bilder und Anregungen enthält die Broschüre Feste der Weltreligionen, Interkulturelle Beiträge Nr. 6



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24./25. 5. 2006
Fest der Schwarzen Sarah
Fest der Heiligen „Schwarze“ Sarah, die als Schutzpatronin der europäischen Sinti und Roma verehrt wird

Info
Die heilige Sarah, auch Schwarze Sarah genannt, ist die Schutzheilige der französischen und spanischen Roma. Ihre Reliquien werden im französischen Saintes-Maries-de-la-Mer aufbewahrt. Dort befindet sich auch eine Statue der Kali-Sara.
Der Legende nach war die Schwarze Sarah Dienerin der drei Marien, die von Südfrankreich aus die Camargue missionierten. Nach ihrer Flucht aus dem Heiligen Land, so erzählt die Sage, wurde die Barke von Marie-Jacobe, der Schwester der Mutter Gottes (Maria), und Marie-Salome, der Mutter von Johannes dem Täufer, im heutigen Saintes-Maries angespült. Die beiden Heiligen wurden von Sarah, ihrer Dienerin, begleitet. Dargestellt als Schwarze Madonna wurde sie zur Schutzpatronin der Roma.
Seit dem 14. Jahrhundert findet alljährlich in Saintes-Maries-de-la-Mer die Wallfahrt der Sinti und Roma zur Heiligen Sarah statt. Mehrere Tausende Roma nehmen jedes Jahr daran teil.
Während der Pilgerzüge am 24. Mai wird die Ikone der Schwarzen Sarah in einer feierlichen Prozession zum Meer getragen und dort mit Meerwasser benetzt. Dann wird die Schutzpatronin in einer Heiligen Barke ins Meer gebracht. Die Träger sind in weiße Gewänder gehüllt. Am darauf folgenden Tag werden die beiden Marien geehrt.
Zu den Festlichkeiten reisen Roma aus allen Teilen Europas nach Saintes-Maries-de-la-Mer. Waren es früher bunte Pferdewagen, so zeugen inzwischen hubraumstarke Autos und Wohnwagen für die Mobilität ihrer Bewohner.
Die Pilgerfahrt zur Heiligen Sarah ist alljährlich Anlass, sich der eigenen Geschichte zu erinnern und gemeinsam zu feiern. Auch finden viele Taufen statt. Nach den religiösen Feiern erfüllen Gitarrenmusik und Tanz die Straßen und Plätze des Ortes, an Hunderten von Feuerstellen wird gegrillt, es wird gesungen und gelacht. Familienclans tauschen die wichtigsten Neuigkeiten des Jahres aus, Hochzeiten und neue Treffen werden vereinbart, Hinweise auf Stellplätze für die nur noch selten geduldeten Nomaden machen die Runde.
Ebenso zahlreich wie die Roma und aus ebenso vielen verschiedenen Ländern sind mittlerweile auch die Zuschauer bei diesem Fest. Die Wallfahrt der Roma ist ein fester Bestandteil der Tradition dieses Städtchens in der Camargue. Die dunkelhäutige Sarah hat man zwar in die Krypta der alten Wallfahrtskirche Notre-Dame de la Mer verbannt. Aber die Frömmigkeit, die sich hier entwickelt hat, herrscht auch in der großen Kirche, in der sich das bunt bemalte Boot mit den Heiligen befindet.

Berichte
Jeder Cinto und Rom sollte mindestens einmal in seinem Leben an einer der vielen Wallfahrten teilnehmen. Bei einer der herausragendsten Wallfahrten geht es vor allem um die Heilige Sara la Kali – Sara die Schwarze. Von der „schwarzen“ Jungfrau gibt es neben vielen anderen Legenden schon seit 1521 Berichte. Man erzählt sich, dass sie, eine gitana*), mit ihrem Stamm an der Rhônemündung lebte und um Gaben bittend in der Camargue herumzog:
„Die heiligen Frauen, Maria Salomäa und Maria Jakobäa, wurden vor langer Zeit aus Ägypten vertrieben. Ihre Magd, Sara, begleitete sie. In einer zerbrechlichen Barke trieben die drei Frauen über das Meer und landeten an einem flachen Strand, über den sich die Kirche, von Fischerhütten umgeben, erhob. Dieses Dorf nannte man später Les-Saintes-Maries-de-la-Mer.“
Sara, die „ägyptische“ Dienerin, wurde so zur Schutzpatronin der europäischen Cinti und Roma. Zum Fest in der Nacht vom 24. zum 25. Mai pilgert man alljährlich in Scharen zu ihr. Neben dem religiösen Erlebnis ist der feierliche Anlass auch geprägt durch seinen internationalen Charakter. Französische, spanische, italienische und deutsche Cinti und Roma finden hier regelmäßig zu einem Familientreffen zusammen, das alle nationalen Grenzen überschreitet.

Welche religiöse Bedeutung die Wallfahrt zur Schwarzen Sarah bis heute hat, drückt sich unter anderem auch in folgenden Zitaten (aus dem Bericht: Eine Reise nach Les Stes Maries de la Mer) aus:
Halte deine Augen weit offen, gehe auf Sarah zu. Wenn dein Gesicht dem ihren ganz nahe ist, dann siehst du sie lächeln. Du musst die Augen schließen, und wenn du sie wieder öffnest, wird ihr Lächeln das Deine sein, und es wird sich in dem Lächeln strahlender Kinderaugen widerspiegeln.
Wenn Du das Geheimnis von Sara kennst, wirst Du es für dich behalten. Denn unsere Kraft liegt im Schweigen.

Quellen und mehr unter:

Musik- und Kulturtage der Cinti & Roma, 1.-11. Oktober 1992, in Berlin und Brandenburg, Cinti Union Berlin e.V.
HYPERLINK "http://www.feste-der-religionen.de/feste/sara.html" http://www.feste-der-religionen.de/feste/sara.html
HYPERLINK "http://www.frankreich-sued.de/les-saintes-marie-server/allgemein.htm" http://www.frankreich-sued.de/les-saintes-marie-server/allgemein.htm


*) Gitanos/Gitanas ist die spanische Bezeichnung für die Volksgruppe der „Zigeuner“ (Kalé). Der Begriff bezieht sich ebenso wie Gypsies bzw. gypthoi (neugr. „Ägypter") auf die frühere griechische Zwischenheimat „Klein-Ägypten" und ist wie der „Zigeuner"-Begriff eine Fremdbezeichnung. Beide Namen werden aufgrund ihrer pejorativen Beiklänge und Geschichte von den Roma eher abgelehnt oder ironisch verwandt.
Die nordosteuropäischen Roma nennen sich Cinti bzw. Sinti (Sintiza oder auch Sintessa/Sinto). Die Eigenbezeichnung der südeuropäischen Roma ist Kalé (Spanien) und Manusch (Fankreich). Der hierzulande bekanntere Begriff der Roma – Romni/Rom (= Mensch auf Romanes) – dient als Oberbegriff für alle Roma-und Sinti-Gemeinschaften und bezieht auch die Gemeinschaften der Kalé und Manusch mit ein.