10. 3. 2009 - Purim
Jüdisches Fest zur Erinnerung an die Errettung der Juden in Persien vor 2500 Jahren; fröhlicher Tag mit Schmaus, Tanz und Spiel, die Kinder führen heitere Purim-Stücke auf, in den Synagogen wird das biblische Buch Esther nach einem fröhlichen Ritual vorgetragen
Info
Purim das Losfest ist ein Tag der Freude und der Heiterkeit. Das Fest wird zum Andenken an die Rettung der Juden zur Zeit des persischen Königs Ahasveros gefeiert, als sie vor dem Erlaß des Haman gerettet wurden, der die Juden durch das »Pur« das ist ein Los vernichten wollte. Esther vereitelte jedoch den Plan Hamans. Esthers Geschichte wird zu Purim vorgelesen. Der Vorleser trägt sie so vor, daß die Gemeinde sie miterlebt. Sobald der Name Haman erklingt, wird auf das Pult geklopft, daß sogenannte Hamanklopfen. Es wird zum Purim ein festliches Mahl gereicht, und das Trinken vorwiegend Wein ist Pflicht. Freunde und Bekannte beschenken sich gegenseitig. Die mit Mohnsamen gefüllten Teigtaschen Hamantaschen werden gegessen und Purimspiele aufgeführt.
Eine Geschichte - Königin Esther
In der Megillat Esther, der Esther-Schriftrolle, ist der Anlaß des Purimfestes niedergeschrieben. Diese Bibelgeschichte wurde (wie auch andere Schriftrollen) von erfahrener Hand auf Pergament festgehalten. Mehr als 700 Jahre vor unserer Zeit wurden die Juden von den Assyrern überfallen und besiegt. Die Assyrer verschleppten die Juden nach Babylonien, denn sie hatten auch Babylon erobert. Dort lebte das jüdische Volk mehrere Jahrhunderte, in der sogenannten »babylonischen Verbannung«. Israel existierte nicht mehr. 200 Jahre später eroberten Perser das assyrische Reich. Unter König Kyros war Persien ein gewaltiges Land, das aus 127 Provinzen bestand, darunter Babylonien und Israel. Dieser Kyros nun erlaubte 525 v.Chr. in einem Edikt den Juden, in ihre Heimat zurückzuziehen. Die Rückkehr war nicht so einfach, denn es war viel Zeit vergangen. Die Heimkehrer mußten ganz von vorn anfangen. Sie mußten sich gegen andere Völker wehren, die dieses Land auch beanspruchten. Sie brauchten die Hilfe ihrer reichen Landsleute, die in Babylonien geblieben waren, und davon gab es nicht wenige. Die Geschichte von Esther beginnt ungefähr 50 Jahre nach dem Edikt des Kyros.
In Susa (Schuscha) lebte zu dieser Zeit ein angesehener Mann namens Mordechai am Hofe des Königs Ahasveros. Bei ihm wohnte seine Pflegetochter Esther (Hadassa), die Tochter seines verstorbenen Bruders. Als nun eines Tages der König Ahasveros heiraten wollte, holte man alle schönen Mädchen aus Persien und Medien zusammen. Unter ihnen war auch Esther. Der König sah sie und verliebte sich sofort in sie, da sie so wunderschön war. Er machte sie zur Königin, wußte aber nicht, daß sie Jüdin war, denn Mordechai gebot ihr, nichts von ihrer Herkunft zu sagen.
Einige Zeit später berief der König einen Mann zum höchsten Würdenträger seines Reiches. Sein Name war Haman. Alle suchten seine Gunst zu gewinnen, außer Mordechai. Als der dem Befehl des Königs und Hamans, vor ihnen auf die Knie zu fallen, nicht unverzüglich nachkam, fing Haman an, Mordechai zu hassen. Und mit ihm haßte er das ganze Volk Israel. Er forderte nun das Leben aller Juden im ganzen Reich, von Indien bis Äthiopien. Er begann den König zu beeinflussen, erzählte ihm von den Reichtümern der Juden, und daß diese seine Gesetze nicht beachteten, weil sie eigene Gesetze hätten. Daraufhin zog der König seinen Ring vom Finger, gab ihn Haman und sprach: Das Silber sei dir gegeben, dazu das Volk, daß du mit ihm tust, was dir gefällt. Da ließ Haman die Schreiber rufen, gab ihnen königlich versiegelte Briefe und sandte diese in alle Provinzen des Reiches mit dem Befehl, am 13. Tag des 12. Monats (das ist der Monat Adar) alle Juden, ob jung, ob alt, ob Mann, Frau oder Kind, zu töten und ihr Besitztum zu plündern.
Als Mordechai das alles erfuhr, zerriß er seine Kleider, zog sich einen Sack an und streute sich Asche aufs Haupt. Dann ging er vor dem Tor des Palastes auf und ab, da er mit dem Sack nicht eintreten durfte. Er fing an zu klagen und hoffte, dadurch Esther auf das bevorstehende Unglück aufmerksam zu machen. Die Dienerinnen Esthers kamen zu ihr und erzählten, wie merkwürdig Mordechai sich benehme. Sie erschrak und schickte einen Kämmerer zu Mordechai, um zu erfahren, was passiert sei. Als dieser wiederkam und alles, was er von Mordechai erfahren hatte, Esther erzählte, war sie ratlos.
Jeder im Land wußte, daß nicht einmal die Königin (geschweige irgend ein anderer Mensch) ungerufen vor dem König erscheinen durfte. Denn nach dem Gesetz mußte jeder sterben, der dieses Verbot mißachtete. Auf wen aber der König sein Zepter richtete, der blieb am Leben. Also ließ Esther Mordechai antworten: So geh hin und versammle alle Juden, die in Susa sind, und fastet für mich, daß ihr nicht eßt und nicht trinkt drei Tage lang, weder Tag noch Nacht. Auch ich und meine Dienerinnen wollen so fasten. Und dann will ich zum König hingehen entgegen dem Gesetz. Komme ich um, so komme ich um.
Am dritten Tag zog Esther ihre schönsten königlichen Gewänder an und ging zum König. Da er sah, wie schön sie war, fand sie Gnade vor ihm, und er streckte sein goldenes Zepter gegen sie aus. Da berührte Esther das Zepter. Nun fragte der König sie nach ihrem Wunsch. Sie antwortete ihm, daß sie ihn und Haman zu einem Festmahl einladen wolle, welches sie vorbereitet habe. Der König ließ Haman holen, und als sie so beim Wein saßen, fragte der König wieder nach ihrem Wunsch. Ja, selbst das halbe Königreich wolle er ihr geben. Da sagte Esther: Hab ich Gnade gefunden vor dem König, so komme der König noch einmal mit Haman zu dem Mahl, das ich für sie bereiten will. Morgen will ich dann tun, was der König gesagt hat.
Haman war an diesem Abend sehr froh, glaubte er doch, sich dem Höhepunkt seines Ansehens zu nähern. Als er nach Hause ging, sah er Mordechai am Tor des Königs sitzen. Als dieser ihn nicht begrüßte, sich nicht verbeugte und sich nicht vor ihm fürchtete, wurde Haman zornig. Er wollte sich rächen. Er ging zu seiner Frau Seresch, und diese sagte, er solle einen Galgen errichten lassen und den König bitten, Mordechai daran aufhängen zu lassen. Das gefiel Haman gut, und er ließ einen Galgen aufrichten. Am nächsten Abend nahmen der König und Haman die Einladung Esthers wieder wahr. Auch diesmal fragte der König, welchen Wunsch sie hätte. Nun antwortete die Königin: Hab ich Gnade gefunden, o König, und gefällt es dem König, so gib mir mein Leben um meiner Bitte willen und mein Volk um meines Begehrens willen. Denn wir sind verkauft, ich und mein Volk, daß wir vertilgt, getötet und umgebracht werden. Wären wir nur zu Knechten und Mägden verkauft, so wollte ich schweigen; denn die Bedrängnis wäre nicht so groß, daß man den König darum belästigen müßte.
Da sprach König Ahasveros: Wer ist der, oder wo ist der, der sich hat in den Sinn kommen lassen, solches zu tun?
Esther zeigte mit dem Finger auf Haman und entlarvte ihn. Da wurde der König wütend, stand auf und ging in den Garten seines Palastes. Haman aber fing an, um sein Leben zu flehen. Er bat Esther, sich für sein Leben einzusetzen. Als Ahasveros aus seinem Garten wiederkam, sah er Haman vor dem Lager seiner Geliebten Esther sitzen, und er dachte: Will dieser etwa auch noch meiner Königin ans Leben? Einer der Kämmerer sagte dem König, daß er wisse, daß Haman einen Galgen vor seinem Haus errichten ließ, an welchem er Mordechai hatte erhängen wollen. Der König sprach: Hängt ihn selbst daran auf! Die Wachen stürzten sich auf Haman. Dieser bettelte vergeblich um sein Leben, die Wachen schleppten ihn aus dem Palast. Mordechai aber wurde vom König mit Ehre und Würde überschüttet. Die Juden feierten im ganzen Land ein Fest, welches auch heute noch als Erinnerung an die Errettung gefeiert wird. Es heißt das »Purimfest« und leitet sich aus dem persischen Wort »Pur« ab, welches das »Los« bedeutet. (Haman hatte das Los geworfen, um den Tag zu bestimmen, an dem die Juden umgebracht werden sollten.) Diesem Fest geht ein Tag voraus, an dem gefastet wird, wie es Esther tat, bevor sie zum König ging. (nacherzählt von Alexandra Kaufmann)
Ein Rezept
Hamantaschen zum Purimfest. Zutaten für 36 Hamantaschen
Füllung für den Hefeteig:
1halbes Glas Wasser - 1halbes Glas Zucker - 100 g Mohn
Saft einer halben Zitrone - geriebene Zitronenschale - 1halbes Glas Semmelbrösel - 3 Eßlöffel Rosinen
Hefeteig: 10 Gramm Hefe in lauwarmer Milch aufquellen lassen.
Mit 700 g Mehl vermischen und zugedeckt 1 Stunde stehen lassen.
Das Wasser mit dem Zucker kochen, bis er sich auflöst. Den Mohn dazugeben und auf kleiner Flamme kochen, bis das Wasser von dem Mohn aufgesaugt ist. Den Zitronensaft und die geriebene Zitronenschale dazugeben. Wenn die Mischung dick wird, den Topf von der Platte nehmen und die Semmelbrösel sowie die Rosinen dazugeben. Abkühlen lassen.
Den Teig zu einer 3 mm dicken Scheibe ausrollen. Mit Hilfe eines Glases Kreise von ca. 10 cm Durchmesser ausstechen.
Einen Teelöffel der Füllung auf jeden Kreis häufen. Den Kreisrand mit Eiweiß bestreichen. Den Rand des Teiges an drei Stellen hochheben und diesen zu einem Triangel formen; dabei die Teigränder fest zusammenkleben, damit sich die Hamantaschen beim Backen nicht öffnen.
Die Hamantaschen auf ein gefettetes Backblech legen und 30 Minuten aufgehen lassen.
Die Oberseite der Taschen mit Milch bepinseln und im vorgewärmten Ofen ca. 25 Minuten backen, bis sie hellbraun sind. Aus dem Ofen nehmen und mit Puderzucker bestreuen.
(aus dem hebräischen Kochbuch »Von der Küche mit Liebe« von Ruth Sirkis)
Ansprechpartner
Zentralrat der Juden in Deutschland
Tucholskystraße 9, 10117 Berlin
Telefon (030) 284 45 60
Jüdische Gemeinde zu Berlin
Joachimsthaler Straße 13, 10719 Berlin
Fasanenstr. 79-80, 10623 Berlin
Telefon (030) 88 02 80
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